Die „Ampel“

Beim exzessiven PC/Internetgebrauch handelt es sich um eine starke Gewohnheitsbildung, aus der ein unüberlegtes, eher spontanes und durch medienbezogene Reize ausgelöstes Handlungsmuster entsteht. In der Regel liegt eine Einschränkung der Medienkompetenz vor, bei der eine spezielle Anwendungsform, wie das Gamen, Chatten oder Surfen bzw. Streamen dominiert (Diagnose). Im Extremfall kann es erforderlich sein, zu Beginn eines Veränderungsprozesses eine vorübergehende „Auszeit“ von jeglicher PC/Internetaktivität einzulegen.

In der Folge sollte ein normaler Umgang mit dem Medium PC/Internet erlernt werden, so dass dessen private und berufliche Nutzung im Alltag weiterhin möglich wird. So soll eine kontrollierte und breite Nutzung des PC/Internets wieder möglich werden.

Das weitere Vorgehen orientiert sich an der sogenannten Ampel. Die „Ampel“ war ursprünglich im Jahr 2004 in England als leicht verständliche Kennzeichnung von Lebensmitteln eingeführt worden, um dem Verbraucher zu ermöglichen, ungesunde Nahrungsmittel zu erkennen und ihr Essverhalten zu verbessern. Diese „Ampel“ wurde nach einer Erprobungsphase Anfang 2006 in den Kliniken der AHG als Bestandteil des Behandlungskonzeptes (Petry, J., 2006 / (Literatur) festgelegt.

Dabei wird individuell vereinbart, welche PC/Internetaktivitäten eingestellt bzw. eingeschränkt werden sollten. Als unproblematisch (grün) werden alle im Alltag und Beruf erforderlichen PC/Internetaktivitäten eingestuft. Ein weiterer Bereich umfasst alle PC/Internetaktivitäten, die als riskant (gelb) anzusehen sind, so dass zeitliche und örtliche Einschränkungen sinnvoll sind. Schließlich wird ein Tabubereich (rot) definiert, in den problembehaftete Aktivitäten fallen, auf die verzichtet werden sollte.

Bei einem krankhaften Nutzungsmuster ist eine dauerhafte Trennung von der geliebten PC/Internetaktivität (Gamen, Chatten, Surfen bzw. Streamen) erforderlich. Besteht lediglich ein problematischer PC/Internetgebrauch kann eine Einschränkung des Problemverhaltens im Einzelfall erprobt werden.

Aufgrund der starken Bindung an die über Jahre im Mittelpunkt stehende PC/Internetaktivität kann der dauerhafte Verzicht zu Verlustängsten, depressiven Reaktionen und Rückzugstendenzen führen. Eingriffe von Außenstehenden können starke Ärger- und Wutreaktionen zur Folge haben. Hier ist eine intensive „Trauerarbeit“ notwendig, um den eingetretenen Verlust zu verarbeiten. Dabei ist es hilfreich, wenn ein Abschiedsritual vollzogen wird. Beispiele hierfür werden von dem Oberarzt Holger Feindel und dem Leitenden Psychologen Dr. Bernd Sobottka aus den AHG Kliniken Münchwies und Schweriner See beschrieben (Vorträge).

Die technische Abmeldung eines Accounts sollte vorbereitet werden, indem sich der persönliche Avatar von seiner virtuellen Gemeinschaft verabschiedet (YouTube: abschied wow). Im bevorzugtem Chatroom bzw. Fachforum kann ein Abschiedsgruß mit Begründung an die virtuellen Partner und die Gemeinschaft gerichtet werden. Dieser Abschiedsprozess wird erleichtert, wenn alternative Erfahrungen in der realen Welt gesucht werden. Ein Beispiel dazu ist das Geocaching, das von der Bezugstherapeutinnen und -therapeuten in der AHG Klinik Münchwies eingeführt wurde (Vorträge).

Beratungs-Hotline 01801-244-222 (Festnetz 3,9 ct./Min. - mobil max. 42 ct./Min. beratung@ahg.de